Mein Weg in den Lehrerberuf

Erfahrungsbericht eines Quereinsteigers

Einleitung

Hallo! Mein Name ist Anton, aber seit kurzem nennen mich viele meiner Mitmenschen Herr Winderlich. In diesem "Blog" möchte ich euch erzählen, wie es dazu kam und wie es ist, plötzlich Lehrer zu sein. Genauer gesagt, dreht sich hier alles um meine Erfahrungen als Quereinsteiger in den Lehrberuf. Als ich mich zu informieren begann, hätte ich mir mehr zusätzliche Informationen und vor allem Erfahrungsberichte gewünscht. Mein Ziel ist es, beides zu liefern und damit etwas Licht ins Dunkel des Quereinstiegs als Lehrkraft zu bringen.

Doch bevor wir ins Detail gehen, erstmal ein bisschen was zu meiner Person. Wer das nicht interessiert, kann natürlich direkt zu den wichtigeren Informationen springen, die hoffentlich bald folgen werden. Mein Name ist Anton Winderlich, ich bin Jahrgang 1997, und habe in Dresden an einem Gymnasium mein Abi gemacht. Danach zog es mich 2015 nach Göttingen, um dort Physik zu studieren. Naturwissenschaften, vor allem Physik, waren und sind meine Leidenschaft. Beim Studienbeginn war mir noch unklar, was ich später mit dem Physikstudium anfangen wollte. Aber da Physiker gut bezahlt sind und die Jobaussichten vielversprechend schienen, wagte ich es. Während meiner Schulzeit war ich kein Überflieger, doch besonders in den Naturwissenschaften fühlte ich mich wohler als viele andere.

Trotzdem stellte das Physikstudium eine echte Herausforderung dar. Die Mathematik brachte mich manchmal zur Verzweiflung, und ich war kurz davor, das Studium abzubrechen. Doch ich hielt durch und schloss 2019/2020 meinen Bachelor ab. Da mir das Leben als Student gefiel, entschied ich mich, direkt den Master anzuhängen, den ich 2022 erfolgreich abschloss. Parallel dazu arbeitete ich seit 2020 bei einer Vertriebsberatung als Data Scientist. Leider stellte sich heraus, dass mich diese Tätigkeit nicht wirklich forderte und ich kaum Neues lernte.

Nachdem ich meine Masterarbeit eingereicht hatte, arbeitete ich Teilzeit im Home-Office bei der besagten Vertriebsberatung, allerdings nur als Übergangslösung, bis ich etwas Passenderes fand. In der Zwischenzeit zog ich nach Hannover, weil ich dort schon Freunde hatte und mir die Stadt sehr zusagte. Da ich im Home-Office arbeiten konnte, war der Umzug unkompliziert. Ich bewarb mich bei VW und Bosch im Bereich Data Analytics/Deep Learning, da ich mich im Master darauf spezialisiert hatte und mich nach einem gut bezahlten Home-Office-Tech-Job sehnte. Glücklicherweise wurde ich aufgrund fehlender Berufserfahrung nicht genommen.

Daraufhin dachte ich intensiver über meine berufliche Zukunft nach. Während meiner Zeit im Home-Office wurde mir klar, dass ich klare Strukturen, Regeln, Verpflichtungen und idealerweise einen Ortswechsel zum Arbeiten brauchte. Schon während des Studiums hatte ich von der Möglichkeit des Quereinstiegs als Lehrer gehört, mir aber nie wirklich darüber Gedanken gemacht. Nun entschied ich mich, dieser Option eine Chance zu geben und mich intensiver damit auseinanderzusetzen. Nach einiger Recherche und Überlegung kam ich zu dem Schluss, dass der Lehrerberuf viele der von mir gewünschten Aspekte vereinte. Es bot klare Strukturen, einen geregelten Tagesablauf und die Möglichkeit, mein Wissen und meine Begeisterung für die Naturwissenschaften weiterzugeben.

Also bewarb ich mich für den Quereinstieg und, um ehrlich zu sein, war ich selbst überrascht, wie schnell alles ging. Bevor ich mich versah, stand ich vor einer Klasse und wurde plötzlich mit "Herr Winderlich" angesprochen. Das war eine ganz neue Erfahrung für mich, und ich muss zugeben, dass es auch seine Herausforderungen mit sich brachte. Aber gleichzeitig fand ich es unglaublich erfüllend, die Schüler*innen für meine Leidenschaften zu begeistern und ihnen dabei zu helfen, ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln.

Und so beginnt nun meine Reise als Lehrer und Quereinsteiger. In diesem Blog möchte ich meine Erfahrungen teilen, sowohl die Höhen als auch die Tiefen, und hoffentlich anderen, die sich für den Quereinstieg interessieren, wertvolle Einblicke und Ratschläge bieten. Es wird sicherlich ein spannendes Abenteuer, und ich freue mich darauf, es mit euch zu teilen!

In den kommenden Beiträgen werde ich mehr über den Bewerbungsprozess, die ersten Tage als Lehrer und die alltäglichen Herausforderungen berichten. Bleibt also dran und begleitet mich auf dieser aufregenden Reise in die Welt der Pädagogik. Wer weiß, vielleicht inspiriert es ja den einen oder anderen, ebenfalls einen Quereinstieg in Erwägung zu ziehen. Bis zum nächsten Mal!

Bewerbung

Ich begann mich also umfassend zu informieren: Wie stehen die Chancen? Welche Anstellungsarten gibt es? Muss ich noch eine lange Ausbildung absolvieren? Gibt es Schulen in meiner Stadt, die nach Lehrern suchen? Habe ich die Möglichkeit, verbeamtet zu werden? Wo muss ich mich bewerben? Wie lange dauert der ganze Prozess? Und so weiter.

Schließlich dachte ich mir: Ich bewerbe mich einfach und sehe, was passiert. Für das Land Niedersachsen gibt es ein Online-Bewerbungsportal namens Eis-online. Im ersten Schritt lädt man dort die wichtigsten Dokumente hoch, wie das Studienzeugnis und den Personalausweis. Im nächsten Schritt wird man als potenzielle Lehrkraft freigeschaltet. Von da an hat man zwei Möglichkeiten:

  • 1. Man lässt sich auf eine Liste setzen, um beispielsweise als Vertretungslehrkraft für kurzfristige, befristete Anstellungen gefunden zu werden. Die Schulen können auf diese Liste zugreifen und die entsprechenden Personen kontaktieren.
  • 2. Man bewirbt sich direkt auf ausgeschriebene Stellen, die meistens zunächst auf zwei Jahre befristet sind..

Es ist durchaus möglich, beide Optionen zu nutzen und abzuwägen, welche besser passt. Ich ließ mich selbst auf die Liste setzen, aber in den darauffolgenden drei bis vier Wochen hörte ich von niemandem. Glücklicherweise begann dann die Periode (Termine und Fristen können auf der Eis-Seite eingesehen werden, aber grundsätzlich kann man sich als Quereinsteiger jederzeit bewerben), in der man sich direkt auf Stellen bewerben konnte. Fairerweise haben regulär ausgebildete Lehrkräfte Vorrang. Das bedeutet, dass die "guten" Stellen nach der ersten Bewerbungsperiode vergeben sind und die weniger begehrten übrigbleiben.

Am Ende gab es noch eine Schule, die von der Entfernung her für mich infrage kam. Ich entschied mich also, meine Bewerbung abzuschicken (hier ist kein Motivationsschreiben oder Ähnliches erforderlich; man muss lediglich ein Dokument an das Sekretariat der Schule senden).

Vorstellungsgespräch

Der erste Tag, an dem es möglich war, sich als Quereinsteiger zu bewerben, war damals der 22.11.23. Um 8 Uhr morgens schickte ich meine Bewerbung an das Sekretariat der Schule. Keine zwei Stunden später erhielt ich einen Anruf von der Schule, in dem sie mich zu einem Vorstellungsgespräch einluden. Da ich aufgrund meines Home-Office-Jobs zeitlich flexibel war, stimmte ich sofort zu. Für das Vorstellungsgespräch verfasste ich dann tatsächlich innerhalb eines Tages ein Motivationsschreiben, das sich aber, so glaube ich, niemand wirklich durchgelesen hat.

Am nächsten Tag stand ich zu einer für mich ungewöhnlich frühen Zeit bei der Schule auf der Matte. Bevor ich in den Raum des Vorstellungsgesprächs gebeten wurde, erhielt ich eine kleine Führung von einer der Lehrkräfte. Schon dabei fühlte ich mich sehr wohl und gut aufgehoben. Im eigentlichen Vorstellungsgespräch sprachen wir in einer größeren Runde (Schulleiterin, stellvertretende Schulleitung, Personalrat und Naturwissenschaftslehrerin) über allerlei Dinge. Das Gespräch verlief locker, ohne fachliche oder didaktische Fragen. Es ging ein wenig um meine Vergangenheit, meine Motivation und meine Zukunftsvisionen. Mir wurde klar, dass ich eine der wenigen Physiklehrkräfte an der Schule sein würde, was mir Respekt einflößte.

Nachdem das Gespräch beendet war, verließ ich kurz den Raum und wurde dann wieder hereingebeten. Auf meinem Platz lag ein Dokument, das ich unterschreiben konnte, um mich mehr oder weniger dazu zu verpflichten, zum nächsten Halbjahr – also zum 1. Februar – an der Schule anzufangen. Ich war sehr aufgeregt und glücklich, erinnerte mich aber zum Glück daran, dass ich mir vorgenommen hatte, in so einem Fall zunächst eine halbe Stelle anzunehmen. Das teilte ich auch mit, und mir wurde ermöglicht, auf dem Dokument eine Stundenzahl meiner Wahl einzutragen. Dazu sollte man wissen, dass zu den wöchentlichen Schulstunden auch noch das Seminar (5 Stunden) hinzukommt. Letztlich trug ich 12 Schulstunden ein (+5 Seminarstunden), was einer 70%-Stelle entspricht (100% sind 24,5 Schulstunden). Sicher hätte ich das Unterschreiben auch noch aufschieben können, und vielleicht hätte ich vernünftigerweise eine Nacht darüber schlafen sollen. Ich war jedoch so zufrieden und fühlte mich im Gespräch so wohl, dass ich mich entschloss, direkt vor Ort zu unterschreiben.

So kam es, dass ich innerhalb von nur 24 Stunden von einer Bewerbung über das Vorstellungsgespräch bis zur Unterschrift kam. Das war alles sehr neu für mich, aber ich hatte das Gefühl, dass dies genau die richtige Entscheidung war.

Hospitieren

Nun stand also fest, dass ich zum 01.02.2023 als Lehrer an einer Schule beginnen würde. Da ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie vor einer Klasse gestanden hatte, entschloss ich mich, Hospitationen durchzuführen. Ich kontaktierte die Lehrkraft, die mir auch die Führung vor meinem Vorstellungsgespräch gegeben hatte. Sie hatte mir nach dem Gespräch ihre Nummer gegeben und betont, dass ich mich jederzeit bei ihr melden könne. Solche kleinen Gesten trugen dazu bei, dass ich mich sehr gut aufgehoben fühlte.

Letztendlich hospitierte ich zweimal an der Schule, und beide Erfahrungen erwiesen sich im Nachhinein als sehr wichtig. Ich lernte eine 10. und eine 6. Klasse kennen und nahm am Unterricht teil. Der etwas lebhaftere Unterricht in der 6. Klasse ließ mich noch mehr Respekt und Demut entwickeln. Der Unterricht in der 10. Klasse hingegen vermittelte mir eine entspannte und professionelle Atmosphäre, bei der ich dachte: "Das kann ich mit etwas Übung auch schaffen."

Nach den Unterrichtsbesuchen dachte ich viel über meine Lehrerpersönlichkeit nach und versuchte, mich an meine eigene Schulzeit zu erinnern. Ich bin überzeugt, dass diese Hospitationen sehr wichtig für mich waren, um ein klareres Bild von der Lehrtätigkeit zu erhalten. Zwar schreckte mich nichts ab oder überraschte mich, aber ich fühlte mich nun besser gerüstet für meine ersten eigenen Unterrichtsstunden, die ich in nicht allzu ferner Zukunft geben müsste.

Bürokratie

Bürokratie ist unvermeidlich. Nach dem Vorstellungsgespräch vergingen einige Wochen bis ins nächste Jahr, bevor ich von der Landesschulbehörde einen Vertrag erhielt. Dort waren verschiedene Dokumente auszufüllen, wie zum Beispiel der Antrag auf Teilzeitbeschäftigung und andere übliche Formalitäten (Nachweis des Masernschutzes und ein persönliches Führungszeugnis mussten beantragt werden). Zudem waren die voraussichtliche Eingruppierung und eine zuständige Sachbearbeiterin, die bei Fragen kontaktiert werden kann, angegeben. Ich füllte alles zügig aus und schickte es zurück an die Schulbehörde.

Nach ein bis zwei Wochen erhielt ich eine E-Mail von meinem zukünftigen Seminar, das mich zur Einführungswoche, die eine Woche vor Beginn des nächsten Schulhalbjahres stattfand, einlud. Zusätzlich musste ich noch einmal in die Schule, um meinen Arbeitsvertrag dort persönlich zu unterschreiben. Es gab ein paar Unklarheiten, die jedoch schnell geklärt wurden. Schließlich unterschrieb ich einen Zweijahresvertrag an der Schule und war befugt, sowohl Mathematik als auch Physik zu unterrichten. Parallel zum Unterricht, der am 01.02.2023 begann, startete auch meine berufsbegleitende Qualifizierungsmaßnahme.

Zur Klarstellung: Mit einem Master in Physik werden einem die Schulfächer Physik und Mathematik anerkannt. Das liegt daran, dass ein großer Teil des Physikstudiums aus Mathematik besteht. Dies gilt jedoch nicht für alle Studiengänge und muss im Einzelfall geprüft werden. Für die spätere Verbeamtung ist es notwendig, zwei Fächer unterrichten zu können. Dies kann, soweit ich das verstanden habe, während der berufsbegleitenden Qualifizierungsmaßnahme durch zusätzliche Seminare nachgeholt oder im Notfall durch ein Nachstudium erreicht werden (einige Credits aus dem jeweiligen Fach müssen erworben werden – nicht das gesamte Studium).